Hiking the Beartooths

Wie kommt man dazu, in den Beartooths wandern zu wollen?

Upper Aero Lakes. Photo Linus.

„Bison Jam im Yellowstone National Park.“ Solche und ähnliche Meldungen und Situationen sind vielen Besuchern bekannt, die den Yellowstone NP besuchen. Taucht ein Bär oder eine Gruppe Bisons in Strassennähe auf, dauert es nicht lange, bis sich ein kleineres Chaos von anhaltenden Autos und hektischen Fotografen bildet. Leute steigen aus, andere filmen mit dem Handy aus dem fahrenden Auto. In der Kolonne warten Leute, welche die Strasse einfach als Durchfahrt nutzen wollen, weil sie in der Nähe wohnen und den zehntausendsten Bison oder einen Bären nicht mehr ganz so spannend finden. Bald taucht ein Park Ranger in seinem Auto mit Rot- und Blaulicht auf und versucht, wieder Ordnung zu schaffen. Das ist nicht gerade das, was man als Naturliebhaber sehen will.

Die alpinen Landschaften und Täler im Yellowstone sind einmalig schön, für meinen Begriff sind die Besucherströme und die entsprechende Infrastruktur auf den Hauptachsen aber eindeutig zu gross. Für den, der nicht zum ersten Mal in dieser Ecke unterwegs ist und dem grossen Andrang entfliehen will, gibt es zwei Möglichkeiten. Wanderungen im Hinterland dieses riesigen Nationalparks belohnen den unabhängigen Wanderer oder – und davon will ich etwas berichten – Touren in der nördlich des Parks angrenzenden Absaroka-Beartooth Wilderness bieten eine grossartige Alternative mit unzähligen Möglichkeiten.

Red Lodge. Sonntagsbesuch in unserer Strasse.

Die A-B, wie die Absaroka-Beartooth Wilderness von den Locals genannt wird, ist ein integraler Bestandteil des Greater Yellowstone Ecosystem. Es handelt sich um das grösste ursprüngliche Berggebiet der USA ausserhalb Alaskas. Hunderte Seen, ein alpines Plateau auf einer Höhe um 3000 Meter sowie ein gutes Wegnetz lassen das Herz jedes Naturliebhabers höher schlagen. Von den Trailheads führen Wege zu schönen Bergseen und Landschaften, sei es als Tagestour oder als mehrtägige Rucksacktour. Die plateauartige Berglandschaft, durchsetzt mit Bergseen und Blumenwiesen und markanten Bäumen, ist ein Juwel.

In den alpinen Zonen sind Mitte August noch viele Bergblumen in voller Blüte. Photo Linus.

Entlang des Zimmer Creeks in Richtung Aero Lakes. Photo Linus.

Zum ersten Mal sind wir 2006 in diese Gegend gekommen. Die Zugänge in die A-B Wilderness sind die Städtchen Red Lodge MT, Cooke City WY sowie, von Norden her kommend, einige Täler in Montana. 2011 waren wir erneut in der AB. Der vorangegangene Winter hatte jedoch so grosse Schneemengen in den Bergen deponiert, dass wir nur einen Teil unserer geplanten Touren machen konnten – aber fürs „Anfixen“ hat es nun endgültig gereicht. Für Linus war dieser Besuch nach Red Lodge richtungsweisend, so dass er seither während den Semesterferien als Volunteer und Mitarbeiter im Board der http://www.abwilderness.org/ im Sommer vor Ort ist und mitarbeitet, sei es als Teil der Trailcrew irgendwo in den Wäldern, in der Organisation der Foundation oder als Linus-für-Alles. Zwischendurch hat er aber auch viele Trails erwandert und kennt so viele Highlights der Region und ist voller Ideen für künftige Touren.

Für mich war dies ein guter Grund, ihn 2017 in Montana zu besuchen, um seine Kenntnisse der Region etwas zu nutzen. Zudem bot sich eine schöne Gelegenheit, dass er mir sein Umfeld, seine Arbeiten und die vielen entstandenen Freundschaften näher bringen konnte. Ein bunter Mix aus Mehrtagestouren, Trailrunning, Tagestouren, aber auch das Leben in der Kleinstadt Red Lodge ist zusammengekommen. Zudem wird es mir als Fliegenfischer in Montana nicht langweilig. Nur wenige Minuten ausserhalb der Stadt konnte ich bei besten Verhältnissen ungestört fischen, einfach traumhaft.

In Red Lodge kenne ich zudem nun jedes Restaurant, das sich zu besuchen lohnt, als Gast und Sponsor. Bei David, dem Executive Director der Foundation, dufte ich immer wieder in seinem Haus wohnen und auch nach Herzenslust kochen, wenn wir nicht auf Beizentour gingen.

Planung

Die Planung von Tages- oder Mehrtagestouren ist ganz einfach. Für 12 Dollar besorgt man sich die Wanderkarte der AB: beartoothpublishing.com . Die Karte im Massstab von 1:100’000 reicht für die allermeisten Touren gut aus. Die Trailheads und Wege sind darauf gut abgebildet und entsprechen dem gut ausgebauten Wegnetz, das man vor Ort antrifft. Die meisten Trailheads sind mit einem normalen Auto erreichbar, nur um sehr abgelegene Wege zu erreichen, ist ein Fahrzeug mit mehr Bodenfreiheit notwendig.

Einige der Trails sind für 4×4 zugelassen. Bio fuel only.

 

600 Meilen Wege und über 900 Seen. Die Auswahl ist eindrücklich

Ausgangspunkt für unsere Touren ist meist Red Lodge oder – auf der anderen Seite des Beartooth Pass gelegen – Cooke City. Die anderen Zugänge (Boulder Valley, etc.) erfordern längere Anfahrten für uns, so dass wir diese seltener benutzen.

Ein anderer Aspekt, den man in die Planung einbeziehen muss, sind die grossen Schneemengen und damit auch hohen Wasserstände von Bächen und Flüssen im Frühsommer, welche die beste Wanderzeit in den höheren (und schönsten) Lagen auf etwa Mitte Juli bis Mitte September einschränken. Ist man frei in der Wahl, würde ich ab dem 10. August starten. Die Chancen auf einige Wochen mit besten Bedingungen sind dann hoch. Die im Sommer recht häufigen Nachmittagsgewitter sind meistens kurz und werden von den Locals mehr oder weniger ignoriert. Das musste ich erst lernen, war aber wirklich keine grosse Sache. Auch lohnt es sich, etwas Zeit für einen schönen Platz fürs Camp zu investieren. Nicht, dass die Konkurrenz gross wäre; es hat oft nur wenige geeignete (ebene) Plätze.

Anreise und die ersten Tage

Ich bin von Zürich via Chicago nach Billings geflogen. Am nächsten morgen früh stehe ich nach zwei Stunden Autofahrt um 07:30 bereits vor Jesses Haus in Emigrant. Er ist Board Member der A-B Foundation und hat mich eingeladen, mit ihm fliegenfischen zu gehen! Jesse weiss „alles“ über den Yellowstone Nationalpark, der quasi vor seiner Haustüre ist. Viele seiner Skitouren, Fischer- und Hikingtrips führen ihn in den Park, wo er geschickt die schönsten Berge und einsamen Täler des Parks geniesst. Nach einem kurzen Morgenessen fahren wir bei Gardiner in den Nationalpark, nicht ohne einen kurzen Schwatz mit dem Ranger. Ich muss zugeben, ich bin etwas skeptisch, dass er mir nun am oberen Madison oder am Lamar River einen „netten halben Tag für Touristen am Fluss in schöner Umgebung“ vorsetzt. Das sind die Plätze, wo jeder seine Fliege bei prallem Sonnenschein im Wasser platziert. Schön, aber meist erfolglos. Die Forellen sind je nach Jahreszeit in ganz verschiedenen Abschnitten der Gewässer, Wildfische eben. Ist man damit nicht vertraut, verliert man viel Zeit und das Fischen wird dann eher zur geselligen, aber oft erfolglosen Unternehmung. Aber bereits fünf Minuten nach dem Parkeingang stellen wir sein Auto ab und lassen den Zündschlüssel beim Wagen, „the key for the truck is here, just in case I drown today“.

Gardner River, einer der Zuflüsse des Yellowstone River. Im Spätherbst steigen hier kapitale Bachforellen auf.

Wir wandern schnellen Schrittes (Jesse ist über 70 Jahre alt, davon merke ich den ganzen Tag aber nichts) in das Tal des Yellowstone Rivers und sehen nun den ganzen Tag keine Menschenseele mehr. Der Fluss mäandriert in einem tief eingeschnittenen Tal, in das wir nun hinabsteigen. Dort ein Hinweis auf Überreste einer alten Indianersiedlung, dann kurz schauen, was die jungen Fischadler im Horst treiben. Jesse hat ein Repertoire von unzähligen Stories, und er ist ein genauer Beobachter. Das macht ihn zu einem sehr angenehmen Gesprächspartner. Nach etwa fünfzig Minuten, die wie im Flug vergehen, stehen wir am klaren und schnell fliessenden Wasser und prüfen erst mal, ob keine Bären in der Gegend sind, da ein Hirschkadaver im seichten Wasser liegt. Es ist Anfang August, das Schmelzwasser ist abgelaufen, trotzdem ist der Yellowstone River im Oberlauf bereits mächtig und beeindruckend. Fünf Minuten später kann ich eine Cutthroat Trout von gut 40 cm zurücksetzen. Jesse ist beruhigt, ich bin zufrieden. Jesse fischt beim toten Hirsch, seine hellen, fleischfarbenen Nymphen sind natürlich die richtige Wahl. Die nächsten Stunden fische ich ohne Druck und mit grösster Zufriedenheit. Was ein früher Fang auf eine selbstgebundene Fliege alles ausmacht. Wir fangen immer wieder Forellen aller Grössen, dazwischen auch Mountain Whitefisch (eine Art Felchen), welche die Nymphen willig nehmen. Jesse fischt meist mit einem Hopper als Indicator, darunter eine kleine Nymphe. Mittags fischen wir trocken, nur mit Hopper, die ganz passabel funktionieren. Ich merke schnell, dass meine mitgebrachten Hopper nichts taugen, die sind alle grün, während die Tausenden von Grashüpfern in den anliegenden Wiesen alle braun, teilweise mit orangen Flügeln gefärbt sind. Ein Gang in den Fly Shop am Abend löst dieses Problem.

Wir wanderfischen flussaufwärts, geniessen einen mitgebrachten einfachen Lunch und kommen erst am Abend wieder zurück zum Auto. Ich bin hundemüde (Jet lag) und verabschiede mich von diesem wunderbaren Menschen. Am nächsten Tag erkundige ich auf eigene Faust den Gardner River und einen anderen Abschnitt des Yellowstone River. Gegen Mittag fahre ich ins Lamar Valley, vorbei an Bisons und Wapitis. In Cooke City brauche ich etwas zwischen die Zähne, dann geht es weiter nach Red Lodge, wo ich auf einen unternehmungslustigen Linus treffe. Er hat schon einige Arbeitseinsätze hinter sich, ist fit & ready. Abends im Biergarten der örtlichen Brauerei lerne ich etwa 10 andere junge Leute kennen. Dies ist der Start einer Begrüssungsrunde, die ich in den nächsten Tagen immer wieder erlebe. Ich wurde ganz offensichtlich erwartet.

Touren

Es gibt durchaus schwierigere Übergänge. Start zur dreitägigen Umrundung des Lonseome Mountain. Photo Linus.

Die Wege und Seen, welche um 2700 Meter Höhe liegen, finde ich weniger attraktiv. Das Wandern in den dichten Wälder ist etwas eintönig, zudem sind in dieser Höhenlage oft viele Mücken anzutreffen. Hier halten sich im Sommer die Bären auf, die in den höheren Lagen kaum Nahrung finden, so dass man dort seine Ruhe hat. Wir wählen meistens Touren aus, wo man zügig die 3000 Meter Marke überwindet, so dass man sich in oder über der Waldgrenze bewegt. Auf dem Plateau auf ca. 3100 Meter kann man auch off-trail wandern und man wird mit einem Ausblick belohnt, der einfach traumhaft ist. Unser Zelt stellen wir an einem der über 900 Seen auf, meist etwas überhöht, um abends die letzten Sonnenstrahlen noch geniessen zu können.

              

An den meisten Seen der A-B muss das Camp 100 Meter von Gewässern entfernt sein. Am Lower Aero Lake darf man näher am See campen. Es ist auch die einzige ebene Fläche weit und breit. Photo Linus.

So in den Tag zu starten ist eine wahre Freude. Photo Linus.

Cloverleaf Lake. Viele Wanderungen führen stufenartig von einem See zum nächsten. Ausblicke wie diese werden mit Spannung erwartet. Photo Linus.

Bei Tagestouren ist die Auswahl ebenfalls sehr gross, so dass auch Familien mit Kindern, oder auch Trailrunner und die Einsamkeit suchende Wanderer ins Schwärmen kommen. Es gibt einige populäre Touren, auf denen man anderen Wanderern begegnet, aber es ist doch sehr erträglich. Auf Touren, die weniger bekannt sind, oder die nicht mehr im normalen Tagestourenradius liegen, ist man meist ganz alleine unterwegs. Technisch sind die meisten Touren einfach zu begehen, die Wegmarkierungen sind ausreichend, man muss einfach aufmerksam bleiben.

Timberline Lake. Photo Linus.

Trailrunning über den Sundance Pass. Belohnung vor dem Downhill. Photo Linus.

Der Beaten Path als Tagestour. Früh aufstehen und Vollgas. Verschnaufpause beim Rimrock Lake. Photo Linus.

Bachüberquerungen können im Frühsommer schwierig sein, bei Boulder fields muss man mit einem vollen Rucksack vorsichtig zu Werke gehen, um Verletzungen vorzubeugen. Wer etwas Erfahrung hat im alpinen Wandern, wird in der Absaroka-Beartooth Wilderness eines der schönsten Wandergebiete geniessen können, die ich kenne. Mit der einfachen Erreichbarkeit der Ausgangspunkte ist die A-B eine lohnenswerte Alternative oder zumindest Ergänzung zu einem Yellowstone Besuch (der, ich muss es zugeben, ja auch sehr beeindruckend ist).

Bold Knob Lake. Photo Linus.

Pepperspray und nur das nötigste dabei. Linus und ich bei einem Run über 42 K. Photo Wilderness Ranger Brett.

Flyfishing only

Da ich in meinen Ferien nicht nur drei oder vier Wochen fischen will, ist der Süden Montanas eine begnadete Region, da sich dort sehr vieles draussen in der Natur kombinieren lässt. Dies lässt es zu, dass man als Familie genügend Möglichkeiten für jeden findet. Viele der Bergseen der A-B weisen meistens gute Bestände von Cutthroat Trout oder Brook Trout auf, meistens keine Riesen. Rainbows habe ich dieses Mal in den hohen Lagen keine angetroffen, dies ist der Platz der Cuts. Die Fischerei ist kurzweilig, mal geht trocken, nass geht immer. Ab und zu kann man Cuts beobachten, welche zum Laichen die kleinen Zuflüsse aufsteigen. Da sind auch respektable Kaliber dabei.

Nice fish! Cutthroat Trout beim Laichaufstieg vor dem Inlet eines kleinen Sees. Photo Linus.

Brookies hat es fast immer. Viele. It’s dinner time. Photo Linus.

Timberline Lake. Bei diesem Inlet standen Dutzende Saiblinge am Inlet. Erinnerte mich an die Menschenschlange am Bratwurststand: Here comes the food. Photo Linus.

Brownie aus dem Rock Creek.

Als Alternative zum Seefischen habe ich einige Male den Rock Creek nördlich von Red Lodge befischt und war erstaunt, dass ich dort so gute Bedingungen vorfand. Meistens ganz alleine im glasklaren Wasser, gut zu waten oder zu umgehen, habe ich die Stunden dort genossen. Da steht mal ein Elch, ein Otter gleitet durchs Wasser, der Insekten- und Vogelreichtum ist enorm. Und wenn man mit Brown, Rainbow, Cutthroat und Saibling am gleichen Tag belohnt wird, dann entspricht das genau dem, was man sich in Montana erhofft.

Einige Tage habe ich freigenommen, da Linus eine 3 Tagestour mit Freunden geplant hat (die er und ich notabene an einem Tag absolviert haben. 42 km Trailrunning vom feinsten, mit Pepperspray bewaffnet). Ich bin dazu nach West Yellowstone gefahren und habe von dort aus den Gallatin River und den Madison befischt. Am Gallatin waren die Bedingungen schwierig, das glasklare Wasser verzeiht wenig Fehler. Zudem war es am frühen Morgen eiskalt. Aber ab und zu war ich erfolgreich und konnte den Tag zufrieden abschliessen. Gefischt habe ich von der Parkgrenze bis kurz unterhalb von Big Sky.

Sternstunden am Madison River.

Am Madison, einem mächtigen Fluss, war ich zunächst ziemlich ratlos, wo ich starten soll. Je mehr man über diesen berühmten Fluss liest und sich informiert, umso schwieriger wurde es, einen Plan zu kreieren. Zudem hat der Madison teilweise eine Wasserwucht, wo ich mit meinem Fliegenrütchen etwas verloren dastehe. Der Typ im Flyshop meinte auf jeden Fall, ich solle früh starten und am Mittag wieder nach Hause gehen. Ich habe mich dann entschieden, unterhalb des Earthquake Lake zu starten. Der Zugang zum Fluss ist teilweise durch Privatland verunmöglicht, was unbedingt zu respektieren ist. Bei einer Brücke mit dem Schild „Fishing Access“ habe ich am gut besetzten Parkplatz angehalten. Die meisten Leute campen hier lediglich und fischen die paar Meter, die nicht weit vom Auto entfernt sind.

Ich bin früh dran und treffe auf einen einzigen jungen Fischer, der grad seine Fliegenrute bereitmacht. Er meint, helle Streamer gehen ganz gut, sowie später am Tag Hopper. Wir plaudern eine Weile und wünschen uns Glück, dann geht er flussaufwärts, ich flussabwärts. Die nächsten vier Stunden werde ich genau zwei andere Fischer treffen. Am berühmten Madison! Da ich abwärts fische, montiere ich einen meiner relativ kleinen selbstgebunden Streamer (articulated). Der Wasserstand ist gegen Ende August hier schon beruhigend tief und doch ist ausreichend und kaltes Wasser vorhanden, so dass man die ersten Meter in den Fluss waten kann. Der Abschnitt ist verblockt mit Pools und Rieselstrecken. Und meine Streamer funktionieren! Immer wieder hängt eine Rainbow oder Brown am Haken. Dazwischen kracht es auch mal, Fische um oder über 50 cm sind dann am Werk. Ich habe eine grosse Freude, am Fluss fühle ich mich wohler als am See, zudem ist die Abwechslung gross.

Drei Stunden später, nach wohl nur einer Meile, habe ich Sternstunden hinter mir. Es wird nun ruhiger, oder werde ich nun einfach ruhiger? Ich montiere nun einen Hopper (die sind hier als Dauerschwimmer gebunden, Chernobyl Style) und überliste den einen und anderen Fisch beim Rückweg. Aber ich fische nicht mehr mit der gleichen Konsequenz und kann deshalb nicht sagen, ob diese Methode nicht genauso erfolgreich gewesen wäre wie das Streamern. Dazwischen schaue ich einem Bald Eagle zu beim Jagen. Müde erreiche ich nach dem Mittag das Auto, es ist nun ziemlich warm, ich trinke und esse endlich etwas.

Nun hat es einige Fischer am Wasser. Da reisen sie von weiss ich woher an den Madison und fischen dann in der Mittagshitze, immer in Nähe des Campers. Ich verstehe das nicht, aber das belohnt natürlich den, der lieber zuerst eine Stunde geht, dann aber seine Ruhe hat. Es fällt mir in den USA immer wieder auf, dass bei vielen Fliegenfischern die Fliegenrute einfach Bestandteil der Campingausrüstung ist. Da werden ein paar Würfe gemacht, bevor man sich wieder dem Grill und dem Ice chest widmet. Bei den Spinfischern ist der Anteil an ambitionslosen Gelegenheitsfischern wohl noch höher. Daneben gibt es natürlich eine Gruppe wahrer Cracks, welche die vielen Möglichkeiten und die lange Saisons des Landes nutzen. Diese sind meistens sehr hilfsbereit und kontaktfreudig, wenn man sich nicht gerade ungeschickt anstellt und mit der Tür ins Haus fällt.

Die Seen der oberen Lagen sind meistens einfach zu befischen. Photo Linus.

Sorry no name! Tipp eines Rangers beim Wegbau erhalten. Zwei Tage braucht man, um diese Stelle zu erreichen. Da drehen ein paar grosse Fische ihre Runden. Photo Linus.

Fazit

Die Reise 2017 stand unter einem guten Stern, so dass die Beurteilung natürlich sehr gut ausfällt. Der Zeitpunkt und die Bedingungen hätten nicht besser sein können. Linus hat einen Strauss von Ideen bereitgehalten. Daneben konnte ich einige Tage ungestört fischen, der Genuss kam auch nicht zu kurz. So ist ein sehr gelungener Mix entstanden. Die Region der Beartooths gehört sicher zu den schönsten Wandergebieten, die ich je erlebt habe. Die Möglichkeiten sind immens, auf Grund der einfachen Erreichbarkeit kann sehr spontan geplant werden. Und abends mit einem lieben Menschen und einer Tasse Kaffee oder Tee vor dem Zelt zu sitzen und die Landschaft zu betrachten, gehört zu den schönsten Momenten.

Alles dabei!

Ich lernte viele Menschen und deren Alltag etwas kennen. Zu denken gibt mir, dass viele junge Menschen mit guter Ausbildung ihr Wissen nicht im Beruf umsetzen können. Wenn ein 26-jähriger mit abgeschlossenem Studium mir abends im Steakhouse das Essen serviert, und er mich am nächsten Morgen im Sportgeschäft nebenan bedient (beide Jobs werden am Ende der Sommersaison wegfallen), dann läuft etwas falsch. Die Leute helfen einander, vom Gemeinsinn könnten wir uns eine dicke Scheibe abschneiden. Aber die Kluft derer, die es geschafft haben zu denen, die sich ihre Zukunft erst noch bauen wollen, ist gross geworden.

Einen kleinen Beitrag an das feine Wegsystem konnte ich auch noch leisten. Für Linus sind die Trailcrew Einsätze schon Routine. Eine coole Mischung von Profis und Volunteers. Photo Lumix.

Und warum die Beartooths nicht Bearteeth heissen, weiss ich immer noch nicht.

Comments

  1. Ein Blog der Extraklasse und dazu ein grosses Kompliment Hans. Jede Zeile habe ich in vollen Zügen genossen.

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