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Lappland – der Sommer 2014 im Fjäll — Teil I

Geschrieben von am 15. August 2014 in Fisch, Reisen / Outdoor | 7 Kommentare
Zufluss Kaitum

Zufluss Kaitum

 

Sommer in Lappland

Sommer in Lappland

Neuland für mich. Viele Reisen führten mich mit meiner Familie in den Norden oder soweit in den Süden, wo es wieder kälter wird und die Pinguine wohnen. Aber noch nie waren wir in diesem Teil der Welt. In diesem Jahr ist es endlich soweit. Robert, mein Rotach-Fischer Freund und ich haben eine zweiwöchige Tour in Lappland geplant. Fliegenfischen. Äschen und Bachforellen. Rund um die Uhr. Ein weiteres Ziel ist es, einige der Saiblingseen zu erwandern, um dort meinen Lieblingsfisch zu finden. Carsten Dogs von pukka-destinations hat uns mit Vorschlägen beraten und uns schlussendlich die Heli-Flüge ab Kiruna und das Bootsmaterial organisiert. Zudem werden wir am Flughafen abgeholt und geniessen die letzte Nacht nach der Tour mit Sauna, Bett, Dusche und anderen Annehmlichkeiten, die man während der Zeit im Fjäll nicht vermisst hat.

Wir haben die oberste Kaitumregion gewählt. Berge, Seen, Zuflüsse des Kaitum, sowie den oberen Abschnitt dieses mächtigen Flusses sind unsere Spielwiese während zwei Wochen. Um es vorwegzunehmen: Es war eine gelungene Reise, die Lust auf mehr geweckt hat. Carsten hat uns die Türe nach Lappland weit aufgemacht – vielen Dank!

Meine Skepsis ist schnell verflogen, als wir vom Helikopter aus das wunderschöne Tal des Tjäkjajakka Flusses bestaunen: Wasserfälle, Fjäll vom feinsten und dann die Landung an der Mündung des Tjäkjajakka in den Padje Kaitumjaure. Wir sind alleine hier in dieser magischen Landschaft. Auch in den kommenden Tagen werden wir meistens keine Menschen sehen, nur ab und zu eine andere Gruppe Gleichgesinnte. Lappland bietet so viele Möglichkeiten, dass man nicht befürchten muss, viele Menschen oder gar grosse Gruppen anzutreffen. Diese Landschaft braucht Stille. So mag ich es. Auch Robert ist überwältigt von den ersten Eindrücken, schon bald brennt das erste Lagerfeuer unter der nordischen Abendsonne. Ich fange am ersten Abend einen kapitalen Saibling im Schneewasser, nebst zwei kleinen werden es die einzigen bleiben. Die nächsten 11 Tage wird uns die Sonne fast rund um die Uhr begleiten, es ist warm, zu warm. Je nach Standort wird es morgen um 4 Uhr bereits warm im Zelt. Auch die Gewässer, selbst die grossen Seen, sind aufgewärmt. Das Wasser ist 20 Grad warm, erfahren wir später. Erst die letzten drei Tage bringen etwas Regen, aber kaum Abkühlung.

Tjäkjajakka

Tjäkjajakka

Lappland_Camp

Lappland Camp

Wir bauen am nächsten Tag unser Boot auf. Ich bin gespannt, wie und ob wir unser Material vernünftig packen können. Während ich die spartanische Seite propagiere, hat Robert gestern den Einkaufswagen in Kiruna schon fast gefüllt, bevor ich im Supermarkt die zuhause ausgearbeitete Einkaufsliste einmal durchgelesen habe. Das Lustprinzip ist der Feind der Planung. Am Ende ist der Wagen voll, ich habe planerisch resigniert und wir werden nicht verhungern. Robert kocht ebenfalls gerne und unsere verschiedenen Strategien  vertragen sich ganz gut. Nur, was ein Drittel einer Packung ist, das weiss nur ich… Zurück zum Beladen des Boots: Wir können unser Material verstauen, der Frachter hält einiges aus. Uff!

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss: Robert hat in seinem grossen Packsack noch diverse Schmankerl aus dem Vorarlberg versteckt, so dass wir nicht nur nicht verhungern, sondern unsere Menüs fast beliebig ausbauen oder abrunden können. Ist ja auch nicht so schlecht 😉

Als ehemaliger Wildwasser Kajakfahrer tu ich mich schwer, unser Boot als Kanu oder Kajak zu bezeichnen. Da bin ich wohl zu puristisch. Es ist weder das eine noch das andere, ich nenne es die ganze Zeit einfach «s Boot».  Es ist nicht gerade das, was man stromlinienförmig nennen kann. Stabil, zuverlässig, sicher und gut zu beladen — das sind die wichtigsten Eigenschaften unseres Boots (Gumotex Orinoco). Monika würde es als Freiberger bezeichnen (Schweizer Pferderasse mit identischen Eigenschaften).

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Ready mit dem Gumotex

Fjäll - ganz nah

Fjäll – ganz nah

Die ersten Tage sind landschaftlich die schönsten. Die Berge sind nah, die steilen Ufer vermitteln den Eindruck, man paddle in einem Fjord. Die Fischerei ist in diesem Abschnitt nicht sehr spannend, was sicher auch mit den hohen Temperaturen zusammenhängt. Bereits im nächsten Camp befischen wir einen Bach, in dem unsere Fliegenruten Arbeit kriegen. Die vielen Bachforellen stürzen sich auf unsere Nymphen und Roberts roter Besen (eine Kreation von Reinhart, die schwimmt und schwimmt, ist hart im Nehmen) ist trocken erfolgreich. Kapitale Fische gibt es hier nicht, die wenigen grösseren Fische sind sehr schlank. Dafür locken Pools und Wasserfälle, so dass wir viele Stunden mit ‚Indianerfischen‘ verbringen. Im gleichen Gebiet sind einige Seen, die bei den trockenen Verhältnissen gut erreicht werden können. Den ersten dieser Seen erreichen wir nach einer etwa 2 ½ stündigen Wanderung. Der See ist aber in diesem Jahr viel zu warm. Wir treffen eine Gruppe Schweden, die fünf Tage am See campt und von hier aus auch die benachbarten Seen befischt. Sie fischen selbst in den Nachtstunden (zwischen 23 und 2 Uhr ist zwar nicht dämmrig, aber immerhin nicht sonnig) ohne grossen Erfolg. Obwohl es im See sehr stattliche Bachforellen hat, ist nicht viel los. Wir baden ausgiebig im warmen spiegelglatten See und vergnügen uns den Rest des Tages im Bach. Weitere Seen, die deutlich höher in den Bergen liegen, sind für eine Tagestour zu weit weg — schade.

Ein paar Tage später, die Fischerei wird immer etwas besser, paddeln wir durch die Wellen der bekannten Enge zwischen den beiden Seen Kaska und Vuolep Kaitumjaure. Diese Verengung ist die einzige nennenswerte Schwierigkeit in den oberen Bereichen, kann jedoch ohne Probleme gepaddelt werden. Wir campen hier, am anderen Flussufer campen zwei ältere Herren. Die beiden Schweden geniessen hier die Fischerei und die Ruhe — Respekt. An den Büschen am Flussufer hat es Millionen schwarzer kleiner Insekten, die nicht stechen! Sie sorgen dafür, dass die Äschen nonstop am Dauerschlürfen sind. An einigen Stellen wähnt man sich in einem Fischteich zur Fütterungszeit. Wir fischen hier zwei Tage, kaum eine der Äschen hat weniger als 45 cm, einige sind über 50 cm gross. Es ist fast unglaublich und wir sind überwältigt. Nach einigen Stunden haben wir die Wunderwaffen gefunden: Die olivegrüne 12-er Nymphe ist zuverlässig, winzige Nymphen sind jedoch meist noch besser. Bei den kleinsten Nymphen scheinen die Farben unwichtig zu sein, die Grösse und Form scheinen zu stimmen. Wir staunen, dass die stattlichen Fische diese winzigen Nymphen nehmen. Je nach Lichtverhältnissen können wir auch mit Trockenfliegen (Klinkhammer und andere, schwarze Muster) die kapitalen Äschen überlisten. Im Tagesverlauf hat es auch Zeiten, in denen es harziger läuft, gefolgt von Sternstunden — einfach perfekt. Für das Zurücksetzen der Fische lassen wir uns genügend Zeit, das warme Wasser setzt den Tieren zu. Abends wissen wir nicht, wie viele Fische wir gefangen haben. Der Reichtum an Fischen verleitet uns auch, verschiedene Muster und vermeintlich wenig attraktive Stellen auszuprobieren,  ein Luxus, den wir uns hier gerne leisten.  Wir sind uns mit einem breiten Grinsen einig: Falls die Fischerei in den nächsten Tagen schlechter werden sollte: Wir haben es hier perfekt erlebt.

Kaitum Beauty

Kaitum Beauty

 

Auf dem Weg zu den Saiblingsseen

Auf dem Weg zu den Saiblingsseen

 

Tjäkjajakka

Tjäkjajakka

Teil 2 des Lapplandberichts.

veröffentlicht unter:
Post geschrieben von

It's what you do when no one is looking that counts.

http://hansmetzler.me

Dieser Artikel hat 7 Kommentare

  1. Erich says:

    Hoi Hans

    spannend, was du wieder mit einem Gleichgesinnten „fisherfriend“ erlebt hast. Dabei kommt dir deine outdoor Erfahrung sehr entgegen. Aus deinem Bericht spürt man die Liebe zur Natur, zum individuellen Erlebnis und nicht zuletzt die Freude am und im Wasser.
    Die Bilder sprechen eine eigene Sprache und vermitteln einen gehaltvollen Eindruck dieser noch intakten Natur.
    Ich freue mich auf Teil 2 und vielleicht auch noch ein paar Anmerkungen über die gefiederten Bewohner dieses grossartigen Habitats.

    Erich

  2. fritz says:

    Hallo Hans,

    klingt richtig toll Deine Reise, schreib schnell weiter – mit vielen Bildern – wir sehen uns im Spätherbst.
    Außerdem : Dein Reisepartner ist mir sehr sympathisch ; wegen der Verpflegung.
    Lg aus Tirol
    Fritz

    • Hans says:

      Hi Fritz
      Mit Robert als Reisekumpel kann dir nichts passieren: Wir haben köstlich gegessen. In diesem Fall haben die vielen (OK, es waren ja nur 2) Köche den Brei nicht verdorben! Hast du zum Beispiel schon einmal Äsche nach thailändischer Art gehabt? Ich sage nur: Lecker!

      Gruss ins Tirol und bis bald wieder
      Hans

  3. Sabine Gebhardt says:

    Lieber Hans
    Spannend, dein Reisebericht aus Lappland, herzlichen Dank!
    Ich frage mich nur, was ihr mit den vielen Fischen gemacht habt…alle gegessen? Die Landschaften sehen wunderschön aus und sind so ganz anders, als das was ich im Südwesten der USA in diesem Sommer gesehen habe.
    Für deinen nächsten Lauf – Event (Jungfrau – Marathon) wünsche ich dir heute schon viel Freude und Durchhaltevermögen.
    Liebe Grüsse
    Sabine

  4. Hans says:

    Liebe Sabine

    Deine Frage macht Sinn. Die meisten Nichtfischer können sich das nicht vorstellen. Zudem ist für viele Fischer der Zweck dann erfüllt, wenn am Schluss ein Fisch in der Pfanne brutzelt. Das ist auch OK.

    Beim Fliegenfischen geht es um viel mehr als um Fisch = Essen. Auch wenn das dazugehören kann. Fliegen selbst zu binden (herzustellen) und diese am Fluss so zu präsentieren, dass ein Fisch sie nimmt, dazu gehören ganz viele Faktoren. All diese Dinge machen Fliegenfischen sehr spannend und unterscheiden es von anderen Techniken. Man muss sich dem Fisch nähern können, ohne dass er gestört wird. Die angebotene Fliege muss in Farbe und Grösse stimmen, dies ändert manchmal von einer Minute auf die andere. Stimmt die Art und Weise nicht, wie die Fliege im Wasser treibt, so ignoriert der Fisch diese. Ist es eine auf der Oberfläche schwimmende Fliege, kommen noch ganz andere Schwierigkeiten dazu. Zudem hat der Fisch viele Chancen, sich loszureissen, ein kleiner Fehler des Fischers genügt.
    Und wenn dann am Ende ein schöner Fisch (im Norden in vielen Jahren herangewachsen) im Kescher ist, dann hat man all diese Dinge richtig gemacht, und/oder einfach Glück gehabt. Das sind manchmal magische Momente.
    Eine solche Kette ist oft erst dann geschlossen, wenn man den Fisch schonend und unverletzt zurücksetzen kann. Er kehrt zurück und vielleicht sieht man ihn wieder einmal. Das Töten des Tieres passt in solchen Momenten einfach nicht.

    Schöne Grüsse
    Hans

  5. Ursus says:

    Lieber Hans
    Wiederum ein herrlicher Bericht von Dir – herzliche Gratulation!
    Er hat mich wehmütig an meinen Kaitum-Aufenthalt im Jahr 2003 zurück denken lassen! Wunderschöne Gegend!

    Danke für die Bilder und die tollen Geschichten!
    Ursus

  6. Hans says:

    Sali Urs

    schön, von dir zu hören! Wir hatten eine tolle Zeit im Norden und eine schöne Fischerei. Beim nächsten Lappland Trip warten sicher Gewässer auf uns, die weniger bekannt sind. Ich war angenehm überrascht, dass so wenig Leute am Kaitum waren. Die Auswahl an Flüssen ist einfach gigantisch.
    Momentan planen wir, was wir 2015 anstellen könnten. Bin auch gespannt, was du machst – ich melde mich wieder mal bei dir.

    Liebe Grüsse
    Hans


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