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Ultramallorca 2015 – der Laufbericht

Geschrieben von am 7. Mai 2015 in Sport | 2 Kommentare

Der Termin im April war einfach zu perfekt. Und Burkhard, Hendrik und Joachim werden starten. Flavio und Ciril, die beiden Rätoromanen werden auch am Start sein zu einer der Trailstrecken durch die Serra de Tramuntana. Der Lauf ist nicht meine grosse Liebe, aber die Strecke lockt mich nun doch, also bin ich auch dabei.

Im Läuferhotel treffe ich Freunde und Gleichgesinnte. Dies lockert  den langen Freitag merklich auf. Alle hängen am Pool oder in Restaurants herum, essen, trinken, lesen und warten auf den Start um Mitternacht.  Um 21 Uhr stehen die Busse vor dem Hotel, es beginnt ein längeres Ein- und Umsteigen, dann geht es endlich los und wir fahren zum Start ans westliche Ende der Insel nach Andratx. Ich muss zur Kontrolle der Pflichtausrüstung, es werden nur Stichproben gemacht, diese werden aber ganz genau durchgeführt. Um Mitternacht ist der Start. Es hat deutlich mehr Starter als im letzten Jahr. Punkt Null Uhr starten wir, die Stirnlampen bilden schnell eine lange Lichterkette auf dem Weg. In der ersten Steigung ist das Chaos perfekt. Der ersten paar Hundert Läufer haben eine Abzweigung verpasst. Und alle braven Läuferschäfchen folgen ihnen. Als der Irrtum bemerkt wird, versuchen die einen umzukehren, während die hinteren Läufer nichts von ihrem Glück ahnen und stramm nach vorne wollen.  Auf dem schmalen Weg fehlt nun einfach der Platz, die einen wollen zurück, die anderen nach vorne. Aber irgendwie und irgendwann sind alle auf dem richtigen Weg, wie es sich für brave Schäfchen gehört.

Start um Mitternacht / Foto Hendrik Dörr

Und alle laufen falsch / Foto Hendrik Dörr

Hendrik läuft zügig los, Burkhard folgt ihm. Was bleibt mir anderes übrig? Joachim sehe ich kurz, danach läuft er ein tolles Rennen, ohne dass wir uns nochmals treffen. Er wird seinen ersten 100+ Ultra sauber finishen. Bäume, die im Weg stehen, erledigt er mit einem Kopfstoss 😉 Bis nach Estellencs stürze ich zwei Mal. Der zweite Sturz (downhill) dämpft meine Motivation. Mit Stirnlampe abwärts durch die Nacht rennen und dann stürzen, was soll das alles?

Der nächste Abschnitt, der uns bis zum Meer hinunter führt, gefällt mir gut. Es wird langsam hell und das Rauschen des Meeres in den frühen Morgenstunden geniesse ich kurz. Nun folgt der Aufstieg in Richtung Valdemossa, wo ich mich dieses Jahr nicht verlaufen werde. Ich kann mich in Valdemossa gut verpflegen mit Orangen und Schokolade und laufe immer noch mit Burkhard, wobei er von uns beiden den besseren Eindruck macht. Das ist wohl die ausgleichende Gerechtigkeit nach dem Ultra im Elsass, da ging es mir besser.

Beim folgenden Aufstieg, bevor der Weg nach Deià hinunter führt, habe ich in Waden und am linken Oberschenkel immer wieder Muskelkrämpfe. Ich habe bisher noch nie Krämpfe gehabt und meine Motivation ist nun auch „etwas verkrampft“. Ich muss dosiert laufen und den Krafteinsatz beim Steigen immer wieder anpassen, damit ich halbwegs vernünftig laufen kann. Vom Meer steigen ab und zu Morgennebel auf, so dass die Temperaturen angenehm sind. In Deià verpflegen wir uns. Hendrik hat ebenfalls Probleme, kann nicht essen und es ist ihm ist schlecht.  Aber es geht weiter. Die vielen losen und grossen Steine auf den Wegen (vor allem abwärts)  hinterlassen Spuren. Beine, Füsse und Gelenke fühlen sich schon nach ein paar Stunden so an, wie sonst erst im Ziel. Die Beanspruchung ist auf den technisch anspruchsvollen Trails mit dem oft instabilen Untergrund sehr hoch.

On the rocks / Foto Hendrik Dörr

 

Hendrik immer locker

Burkhard telefoniert unterwegs seiner Frau Ina, sie solle Bier organisieren. Wir laufen in Sóller ein. Unmittelbar vor der abgesperrten Verpflegungszone streckt mir Ina ein kaltes Weizen (alkoholfrei) entgegen! Ich und Bier trinken! Als ich die Dose mit einem lauten Zischen öffne, drehen sich die Läufer in meine Nähe um und starren ungläubig auf meinen Schatz. Ich glaube, ich hätte das Ding zu einem Höchstpreis verkaufen können. Es schmeckt herrlich und tut mir richtig gut! Ich pausiere etwas und motiviere mich neu. Die Krämpfe haben mich die letzten Stunden belastet, die Stimmung war entsprechend. Einen triftigen Grund zum Aufgeben finde ich aber nicht (es wäre mein erster Lauf, an dem ich nicht finishen würde). Hendrik geht es auch nicht gut, er beschliesst, eine längere Pause zu machen. Burkhard meint zu mir „geht schon, lauf mal weiter“.  Also mache ich das, er ist der Arzt 🙂 Es folgen nun die zwei langen Aufstiege. Nun muss wohl jeder kämpfen. Aber es ist klar: Wer diese Aufstiege schafft und kein Problem mit den Cut-off Zeiten hat, der kommt auch ins Ziel.  Burkhard habe ich für etwa eine Stunde aus den Augen verloren. Als wir uns wieder treffen, beschliessen wir, zusammen auch den Rest zu laufen – eine gute Entscheidung.

Wieder ein Aufstieg geschafft / Foto Burkhard Giersberg

/ Foto Burkhard Giersberg

Bei Cuber wird es nun wärmer, die Gegend um den Stausee gehört nicht zu meinem liebsten Anschnitt.  Auf diesem Stück hat Burkhard ein Problem mit einer allergischen Reaktion, das Unwohlsein ist nach einer halben Stunde zum Glück wieder vorbei. Die Landschaft in Richtung Lluc ist wunderschön, auf 1200 Meter Höhe ist die Berglandschaft mit Aussicht aufs Meer gigantisch. Nochmals ein letzter knackiger Aufstieg im Gegenhang, bevor die Route nach Lluc absteigt, zerrt an den Kräften.  Es wird Abend, noch 17 Kilometer.

Mallorca mal anders / Foto Hendrik Dörr

Auf dem letzten Stück vor dem Ziel wird es endlich flach, die Streckenführung ist jedoch teilweise gewöhnungsbedürftig. Über eine Mauer, dann zum Bach runter klettern, nach ein paar Metern wieder hinauf, das macht nun keinen Spass mehr. Auf den letzten 2-3 Kilometern nehmen wir es gemütlich. Normalerweise sind das die Kilometer, die man nochmals richtig schnell läuft und geniesst. Aber irgendwie  klappt das heute nicht so recht und die Zeit spielt keine Rolle mehr. Nach 22 Stunden und ein paar Minuten laufen wir auf dem Hauptplatz in Pollenca ein, wir werden wie Sieger begrüsst und gefeiert. Die Stimmung auf den letzten Metern entschädigt die Läufer für alles. Wir freuen uns riesig, dass Hendrik kurz nach uns auch im Ziel einläuft.  Sein Motto war „laufen, bis das Ziel kommt, oder bis mich die Rennleitung stoppt“. Perfekte Einstellung!

Hendrik, Ich und Burkhard happy im Ziel / Foto Bärbel Dörr

Mein Dank geht an Hendrik und Burkhard für die Bilder – cool, dass ihr euch immer Zeit genommen habt, Fotos zum machen!

UMSDT – Mein Fazit:

  • Ultralauf mit hoher körperlicher Belastung, anspruchsvolle Trails. Entsprechend hohe Ausfallquote
  • Strecke durch die Serra de Tramuntana ist teilweise spektakulär, die Trails sind aber oft mühsam zu laufen (lockeres Gestein)
  • Verpflegung und Organisation des Laufs sind gut
  • Das Aufeinandertreffen der Läufer der verschiedenen Disziplinen (Ultra- und Traildistanz) finde ich sehr ungünstig. Das Laufen auf den engen Wegen ist sehr mühsam, wenn hunderte von Läufern, die noch frisch sind, die Ultras überholen. Bei den Downhills führt dies zu gewagten Manövern und stört während längerer Zeit das eigene Laufgefühl
  • Ich habe die 112 Kilometer und 4300 Höhenmeter nun zwei Mal absolviert, das reicht mir. Bei anderen Läufen dieser Kategorie fühle ich mich besser und kann länger so laufen, dass es Spass macht.
  • Und das Beste war, Freunde zu treffen, welche die gleiche Leidenschaft haben. Weil wir es können 😉

Das grosse Ziel, das Burkhard und ich vor uns haben, rückt ganz langsam näher. Im Spätsommer werden wir am Start stehen zum Transalpine Run , bei dem wir während 8 Tagen die Alpen von Nord nach Süd queren.

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Dieser Artikel hat 2 Kommentare

  1. Sabine Gebhardt says:

    Lieber Hans
    Einfach grossartig, dein Einsatz entgegen allen Stolpersteinen am Ultramarathon auf Mallorca!
    Von Herzen wünsche ich dir eine optimale Vorbereitung auf dein nächstes grosses Ziel, den Transalpinultrahammermegamarathon!
    Liebe Grüsse
    Sabine

  2. Erich says:

    Hola Hans

    Wir sitzen hier am Meer (auch in Spain) und erleben nochmals in Gedanken deinen Lauf mit. Alle Achtung!Grossartige Leistung! Wertvolle Lebenserfahrung im eigenen Grenzbereich!Wir gratulieren dir zu deinem Durchhaltewillen.
    Wir waren auch einige Tage in der Macchia, beobachteten Vögel und freuten uns an dem Blütenduft, der tollen Aussicht aufs Meer und die Einsamkeit.

    Herzliche Grüsse

    Erich und Elfi


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