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Swissalpine – Laufbericht vom Klassiker aus Graubünden

Geschrieben von am 29. Juli 2015 in Sport | 2 Kommentare

Seit 30(!) Jahren gibt es den Swissalpine. Der Veranstalter nennt die Königsdisziplin K78 den „weltweit grössten Berg-Ultramarathon“. Es gibt weit längere Läufe mit viel mehr Höhenmetern, keine Frage. Sicher ist, dass es in diesem Bereich nicht viele Läufe gibt, die schon so lange existieren. Auf jeden Fall ist der Lauf damit ein Klassiker in den Alpen. Im Lauf der Jahre sind viele Strecken dazugekommen, so standen dieses Jahr zehn Strecken zur Auswahl.

Für mich ist es die zweite Teilnahme am K78, Linus läuft den K30 — auch schon zum zweiten Mal. Die beiden Kategorien starten zur gleichen Zeit auf der identischen Strecke, für die K30 Läufer ist Filisur das Ziel, für die anderen ist Filisur ein kurzer Stop auf dem Weg nach Bergün. Wir essen um 4:45 ein leichtes Morgenessen und fahren danach von Klosters nach Davos. Mich plagt seit einer Woche ein Reizhusten, der mich in den Aufstiegen ab und zu plagen wird. Die letzten drei Wochen habe ich sehr viel trainiert, dies nach der geplanten Laufpause im Juni. Die letzten vier Tage vor dem Lauf habe ich das Training gestoppt.

Extrazug um 05:27 ab Klosters

Um 7:00 Uhr starten wir. Linus und ich können zusammen laufen. Sobald wir Davos und die Asphaltstrassen verlassen haben, ist das Laufen richtig schön. Nach den vergangenen drei Wochen mit sehr heissem Wetter geniessen wir die kühle Morgenluft, noch feucht vom Gewitter der letzten Nacht. Die Zügenschlucht ist geradezu spektakulär. Es ist bewundernswert, dass es möglich war, in diesem Gelände eine Bahnstrecke zu bauen. Für die Läufer aus dem In- und Ausland ist es sicher ein besonderes Highlight, diesen Abschnitt zu laufen. Bei Kilometer 26 Kilometer trennen wir uns und Linus kann sich auf den restlichen vier Kilometern bis ins Ziel in Filisur austoben.

Swissalpine - noch ist es flach

Cool running

man against train - RhB ohne Chance

Für mich geht es via Filisur nach Bergün. 2012 war die Streckenführung hier anders (einfacher und schneller, aber auf der Strasse). In Bergün beschliesse ich dank des stabilen Wetters und der dicht gesetzten Verpflegungsposten ohne Laufrucksack zu laufen. Diesen habe ich gepackt und nach Bergün ins Depot transportieren lassen. Leider muss man den Data-Chip mit einem Kabelbinder am Schuh befestigen. So kann ich den geplanten Schuhwechsel in Bergün leider nicht vornehmen. Nach Bergün führt die Strecke ins Val Tuors. Dort wird die Alpstrasse zur  Zeit verbreitert und befestigt, diesen Teil laufe ich nicht gern. Ich laufe etwas langsamer als normal, da mich der Husten immer wieder mal plagt. Bald einmal nähere ich mich der Keschhütte, wo meine Laune sich bessert. In dieser Berglandschaft auf nun wieder engen und gut angelegten Bergwegen zu laufen ist einfach schön.

Mit Joachim zwischen Kesch und Sertigpass

Top of Swissalpine

Mittlerweile läuft Joachim neben mir und wir laufen bis ins Sertigtal zusammen. Wir haben uns seit dem Mallorca Ultra nicht mehr gesehen und können wieder mal plaudern. Auf dem Sertigpass nutze ich die Gelegenheit, mich massieren zu lassen. Es tut so gut! Danach laufe ich mit frisch gepflegten Beinen hinunter ins Sertigtal. Diesen Abschnitt kann ich ohne Gehpause recht locker bis ins Ziel durchlaufen. Der Schlussteil im Sertigtal ist abwechslungsreich mit stetigem Auf und Ab. Nach gut elf Stunden (ganz schön lang) bin ich im Ziel. Ein Hustenanfall noch, dann ist auch das überstanden.

Nun stehen noch einmal 2 Wochen mit intensivem Training an, danach reduziere ich merklich. Und am 29.08.2015 beginnt der Höhepunkt dieser Saison. Zusammen mit Burkhard werde ich am Transalpine Run am Start stehen — Höhenfeuer!

Endlich

 

Swissalpine – Mein Fazit:

  • Ein Klassiker, den „muss“ man mindestens einmal laufen.
  • Die meisten Abschnitte sind einfach zu laufen. Das Herzstück — wo man die Keschhütte zum ersten Mal sieht sieht bis nach dem Sertigpass — ist ein Leckerbissen und Grund genug zur Teilnahme am K78. Den Abschnitt Filisur bis Bergün und den unteren Teil des Val Tuors finde ich nicht attraktiv.
  • Viele Verpflegungsstellen, gutes Angebot und immer wieder: Ein grosser Dank an die vielen freundlichen Helfer. Kleider-/Schuhdepot in Bergün.
  • Das Aufeinandertreffen der Läufer der verschiedenen Disziplinen wird in den meisten Fällen verhindert und ist somit kein Problem (zumindest aus Sicht des K78)
  • Highlight: Massage auf dem Sertigpass — super Service, einfach genial!
  • Nicht gut: Wenn Läufer aus Australien, China, England und vielen anderen Ländern den K30 laufen und finishen, dann gehört es sich nicht, dass diese Läufer ohne ein Finisher Shirt heimreisen müssen. Da verpasst es der Veranstalter, Werbung in eigener Sache zu machen. Ich habe einige Läufer bei der Heimreise getroffen, die das gar nicht goutiert haben, zumal Läufe in der Schweiz halt eher etwas teurer sind. Die meisten Läufer übernachten und essen in der Region Davos und geben viel Geld aus. Da muss im Startgeld für alle Disziplinen ein Finisher Shirt enthalten sein. Dies ist für viele Teilnehmer wichtig und für Läufer aus dem Ausland ein cooles Souvenir. Und eben: Finisher Shirt — nicht einfach Shirt.
  • Auch nicht so gut: Dass die Migros Laufveranstaltungen unterstützt, finde ich als Migros-Chind sehr sympathisch. Zum Swissalpine gehören Attribute wie Davos, Graubünden, Bergregion, etc. Wäre es da nicht passender, im Migrosbeutel Produkte wie Bünder Nusstörtchen, Brot, Honig, Käse, etc. aus der Region zu finden? Eistee, Crackers, Nudeln, Körpermilch sind etwas phantasielos, nicht? Den gleichen Inhalt haben wir vor ein paar Wochen beim Winterthur Marathon erhalten. Der Transviamala Run zeigt, wie man das machen kann — beste Werbung und Einbezug der Region.
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It's what you do when no one is looking that counts.

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Dieser Artikel hat 2 Kommentare

  1. Silvia says:

    Hoi Du, einfach wieder interessant Deinen Bericht zu lesen, freu mich jedesmal darauf. Chapeau von Deiner und Linus Leistung. Viel Erfolg für den nächsten Lauf.
    LG Silvia

  2. Erich says:

    Hoi Hans, wieder eine bravouröse Leistung. Es freut mich für euch beide – die Harmonie, Disziplin und der „Gleichschritt“. Die Bergwelt auf diese Art zu erleben, ist bestimmt auch wertvoll und nachhaltig. Ich schätze es sehr, dass du mich/uns an diesen Herausforderungen auf diesem Wege teilhaben lässt. Dabei begleiten dich während diesen Anlässen stets unsere Gedanken. Besondere Gedenkpausen legen wir dann am TAR für dich ein.
    Auch vielen Dank für die Bilder!

    Good run

    Erich und Elfi


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